Die Wichtigkeit der Rhetorik wird von vielen Menschen weit überschätzt. Tatsächlich können sich intelligente Profis auch dann sehr gut in Verhandlungen behaupten behaupten, wenn sie in der Rhetorik eher schwach sind. Das gilt vor allem dann, wenn sich die Verhandlungspartner später nie wieder sehen. Mit perfekt einstudierter Rededramaturgie kann ein “Drücker” an der Haustür erfolgreich Zeitungsabos verkaufen. Mit Manipulationstechniken kann ein windiger Verkäufer in Verhandlungen überzeugen. Allerdings merkt das Opfer solche Tricks später sehr wohl.
Fairness in der Rhetorik und in Verhandlungen
In fast allen Fällen findne Verhandlungen jedoch zwischen Personen oder Parteien statt, die auch später noch miteinander zu tun haben. Dann sollte man sich lieber nicht mit üblen Tricks aus der Rhetorik gegenseitig manipulieren, überreden, verwirren oder sonstwie in die Enge treiben. Das Opfer solcher Manipulationen macht später vermutlich einen Rückzieher. Somit war die Mühe der trickreichen Verhandlungen vergebens. Oder das Opfer beklagt sich bei Dritten über die unfaire Rhetorik. Das verdirbt den guten Ruf. Oder das Opfer rächt sich später in einem anderen Zusammenhang. Verhandlungen dürfen daher hart sein, sollten jedoch immer fair sein.
Profis bemühen sich um gute Rhetorik, verzichten jedoch darauf, eigene rhetorische Übelegenheit dem Gesprächspartner gegenüber zur Waffe zu machen. Profis lassen sich auch nicht von rhetorisch Überlegenen einschüchtern.
Worauf kommt es in der Rhetorik und den Verhandlungen an?
Profis bauen in ihren Vorbereitungen auf Verhandlungen und in der Einschätzung der Argumente der Gegenseite auf die “4M”:
- Mind: Vernunft und Logik – Hört es sich vernünftig an?
- Motivation: Lust – Möchte die Gegenseite zustimmen?
- Macht: Druckmittel – Sollte die Gegenseite vorsichtshalber zustimmen?
- Mitgabe: Argumente für Dritte – Wie kann die Gegenseite von Dritten die eigene Zustimmung über eine faire Rhetorik notfalls begründen?
Quelle: Angewandte Sozialpsychologie; Auhagen, Bierhoff






