Argumentieren Lernen

Menschenkenntnis – Die Schwierigkeit andere richtig einzuschätzen

29.06.2009

Teil 1

Um erfolgreich miteinander interagieren zu können, müssen wir vor allem in der Lage sein, die Menschen, mit denen wir konfrontiert werden, richtig wahrzunehmen. Die Wahrnehmung anderer ist eine der vorrangigsten und zugleich komplexesten Aufgaben, vor die wir tagtäglich gestellt werden. Woher wissen wir, ob jemand ein wirklich freundlicher Mensch ist oder einfach  nur ein gefälliges Wesen hat, ob er arrogant ist oder gerade Grund hat stolz zu sein. Menschen zu kennen, Menschen zu beschreiben, Menschenkenntnis umzusetzen, heißt immer auf mehr als eine Weise zu interpretieren.

Menschenkenntnis als Voraussetzung für die Verhaltensdeutung

Eine Erweiterung und Vertiefung der zur Verhaltensdeutung notwendigen Menschenkenntnis beruht auf folgenden Grunderfordernissen:

  1. Schaffung einer theoretischen Basis – Kenntnisse über Gruppendynamik, Kommunikationswissenschaft, Motivpsychologie,Typenlehre………..
  2. Planmäßige Fremdbeobachtung in vielen und unterschiedlichen Situationen
  3. Gezielte Selbstbeobachtung zur Ausschaltung bestimmter Störquellen.

Menschenkenntnis – Hauptstörquellen in der Selbstbeobachtung

  • Vorurteile – Denkschablonen in Form fest geprägter Vorstellungen von einer bestimmten Berufsgruppe, Bildungsschicht, Rasse beeinträchtigen die aussagekräftige Menschenkenntnis.
  • Der Halo-Effekt – eine Bewertungseinstellung, nach der ein Beurteiler alle Merkmale, zu denen er sich persönlich bekennt, oder die er selbst positiv beurteilt, überbewertet und dieses Urteil auf andere Kriterien abfärbt. Der Halo-Effekt beruht auf dem Ruf und dem Image einer Person.
  • Das Andorra-Phänomen oder  Die sich selbst erfüllende Prophezeiung
    Ein allgemeines Beispiel bildet der Pessimist, der vornehmlich Informationen in sich aufnimmt, die in sein pessimistisches Erwartungsbild passen. Habe ich beispielsweise eine negative Erwartungshaltung zu Beginn eines Gespräches, ist der negative Verlauf des Gespräches quasi vorprogrammiert.
  • Falsche Analgieschlüsse – Personen neigen häufig dazu, bestimmte Auswirkungen Ursachen zuzuordnen, die für diese Auswirkungen nicht bestimmend sind. Brillenträger sind intelligent!
  • Gegenseitige Verhaltenssteuerung – Ein äußerst autoritärer Führungsstil führt zu einem äußerst unselbständigen Mitarbeiter, der devot nach Vorschrift handelt.
  • Projektive Täuschung – sie beruht darauf, dass der Beurteiler bestimmte porsitive oder negative Erinnerungen an eine ihm bekannte Person auf den zu Beurteilenden projeziert, der hinsichtlich eines bestimmten äußeren Merkmals der bekannten Person gleicht.

Quelle: Praktische Betriebspsychologie, Udo Stopp

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