Argumentieren Lernen

Das Argument

16.07.2009

Begriffs-Unterscheidung in der Argumentation:

Tatsache = objektive, wahre, beweisbare Sachverhalte

These = von Personen aufgenommene Lehr- und Leitsätze

Argument = keinen zwingenden Charakter

Argumente – verschieden Formen

  • Faktenargument -logische Verbindung zu einer nachprüfbaren Tatsachenaussage – Gesetz der Schwerkraft
  • Autoritätsargument -beruft sich auf Autorität, die eine ähnliche These geäußert hat
  • Normative Argumente – es wird auf eine normative Gruppe bezogen
  • Analogisierende Argumente – Spinnen sehen nur 20 cm weit, analog dazu…………….
  • Indirekte Argumente – gegenteilige Meinung wird als Unwahr dargestellt
  • Emotionalisierende Argumente – Ansprechen von Gefühlen

Zweck von Argumenten

Argumente sollen überzeugen. Damit das gelingt, sollten sie  immer aus der Perspektive des Gegenübers aufgebaut werden.

Die Kommunikationsarten – Das ICH in der Kommunikation

16.07.2009

Obwohl Kommunikation “in Verbindung treten” oder noch genauer, “sich verständigen” heißt, gehen die Kommunikationspartner erst einmal von sich aus, von ihrem ICH.

Das können wir sogar in den Konzepten unserer Sprache wiederfinden.
Zum Beispiel bei den Personalpronomen ich, du, er, sie, es, mit denen die Gesprächsrollen benannt werden: ICH ist der Sprecher, sein “ICH, JETZT, HIER” bestimmt seine Kommunikation.

Kleine Kinder und Schüler/innen bis zu ca. 9 Jahren haben als Zentrum des gesamten Weltbildes sich selbst. Sie können z.B. sich in einer Erzählung nicht vorstellen, was der andere davon nicht weiß. Sie sind, wie Jean Piaget (Denken und Sprechen 1930) sagt, “egozentrisch”.
Der Entwicklungspsychologe Gerd Mietzel (Mietzel 2001: S.85 weist) darauf hin, dass

“…eine gewisse Neigung zum egozentrischen Denken (sic!) im Sinne Piagets… auch in der weiteren Entwicklung bestehen (bleibt). Pädagogisch ist es sehr wohl wünschenswert, solchen Neigungen entgegenzuwirken. Mitmenschliche Konflikte entstehen vor allem, wenn die Beteiligten wenig Bereitschaft zeigen, die Sichtweise anderer einzunehmen. Bei gezielten Übungen und durch angemessene Intervention des Lehrers können Schüler allerdings zur Verminderung ihrer Egozentrizität veranlasst werden…”.
Auch, wenn wir uns auf den anderen einstellen und uns mit ihm/ihr verständigen wollen, gehen wir immer mit einem Selbstbild (Selbstkonzept) in die Kommunikation hinein, welches weitgehend durch Sozialerfahrungen in Kommunikationen geschaffen wird.

Das ICH und mein Selbstbild

Mit jeder Kommunikation machen wir (mache ICH) dem anderen einen Vorschlag für eine Beziehungsdefinition und damit auch für seine eigene Selbstdefinition und geben zugleich unsere Selbstdefinition kund (Selbstkundgabe).
Je nachdem, wie weit unser Vorschlag für eine Beziehungsdefinition, bzw. der Vorschlag der Selbstdefinition des anderen angenommen wird, verläuft die Kommunikation auf der Beziehungsebene positiv oder problematisch. ICH bestimme also den Verlauf der Kommunikation. ICH trage die Verantwortung.

Das Bild von sich selbst (das Selbstkonzept) wird heute als entscheidende Größe für die Entwicklung der Persönlichkeit und für die seelische Gesundheit angesehen.

Schulz von Thun (Schulz von Thun 2001: S.187) weist darauf hin, dass schon der Tiefenpsychologe Adler beschrieben hat, “…wie jemand, der nicht viel von sich hält (Minderwertigkeitsgefühl), sich entweder entmutigt zurückzieht oder aber, in ständiger Beweisnot um den eigenen Wert, übersteigert nach Geltung und Überlegenheit ringt und so den größten Teil seiner seelischen Energie auf den Kampfplätzen der Rivalität und der imponierhaften Demonstration vergeudet.”

Mit dieser Tatsache verbinden sich viele Probleme in der Zwischenmenschlichen Kommunikation. Die Bedeutung eines negativen Selbstkonzeptes liegt nach Schulz von Thun (Ebd: S.187) in folgendem begründet: “Hat es sich erst einmal verfestigt, dann schafft sich das Individuum eine Erfahrungswelt, in der sein einmal etabliertes Selbstkonzept immer wieder bestätigt wird.”

“So ist,..” nach Schulz von Thun (Ebd: S.194) “…mit geradezu verheerenden Auswirkungen… zu rechnen, wenn ein sehr negatives Selbstkonzept generalisiert wird, z.B.”Mich mag sowieso keiner!” Dies wird ein (feindseliges oder zurückgezogenes) Verhalten in Gang setzen, das tatsächlich die Antipathie oder Gleichgültigkeit der Mitmenschen provoziert.”

Petermann und Petermann (Petermann/Petermann 2000: S. 39) definieren das Selbstbild, speziell auf Jugendliche bezogen als aus folgenden Bereichen zusammengesetzt:

Bereiche des Selbstbildes (bei Jugendlichen)

- Das Selbst (im Allgemeinen)
- Das psychologische Selbst
- Das soziale Selbst
- Das sexuelle Selbst
- Das familiäre Selbst
- Das adaptierte Selbst

Das ICH und meine Rollverhalten

Wir alle “spielen” in unserem Leben verschiedene Rollen, je nachdem, ob wir auf der Arbeit/ in der Schule sind, in unseren verschiedenen Sozialbeziehungen, auf Ämtern (Institutionen) oder in Gruppen. Das Spiel ist aber kommunikativ ziemlicher Ernst.

Die Fähigkeit, im Leben verschiedene, wechselnde Rollen zu übernehmen und erfolgreich ausfüllen zu können, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für positive und erfolgreiche Kommunikation. Sie ist mit Rollenflexibilität und sozialkompetenten Verhalten gut umschrieben und hat keineswegs notwendig mit dem Verlust von Authentizität und Selbstkonzept zu tun, auch, wenn dies durch das Verfestigen von ungünstigen Rollenvorstellungen oder manchmal in Auswirkung von streng institutionalisierten Rollenzwängen (vgl. z. B. die sog. “Rekrutenschizophrenie” bei jungen Soldaten) manchmal geschieht.

Rollen werden uns oft durch soziale Normen des Zusammenlebens insbesondere durch Institutionen und formale Beziehungen aufgezwungen, meist sind dies dann
hierarchische Rollenkonzepte:

  • Vorgesetzte/r und Untergebene im Betrieb,
  • Lehrer/in und Schüler/innen,
  • Kapitän und Matrosen auf einem Schiff,
  • Polizist/in und Verkehrsteilnehmer/innen,
  • Offizier/innen und einfache Soldat/innen im Militär.

Daneben gibt es viele Formen funktionalen Rollenverhaltens im Bereich des zweckvolle kooperative Zusammenwirkens

  • von gemeinsam lernenden Schüler/innen
  • von Mann und Frau in einer guten Beziehung
  • von Arbeiter/innen in einer Fabrik
  • von gleichberechtigten Staaten zueinander

Funktionales Rollenverhalten muss aber nicht immer auf Gleichheit beruhen,
z.B.: das Verhältnis zwischen

  • Verkäufer/in und Kund/innen,
  • Arzt/Ärztin und Patient/innen,
  • von Trainer/in und Spieler/innen.

Auch das Verhältnis von Eltern zu ihren Kindern ist zunächst einmal ein funktionales, es kann sich aber zu einem hierarchischen Rollenkonzept formalisieren, wenn die Eltern aus ihrem Status heraus immer die Oberhand beanspruchen (und sich dazu dann auch formaler Hilfestellungen bedienen).

Wichtig für uns ist die Fähigkeit zu flexibler Rollenübernahme (nicht umsonst trainieren kleine Kinder das) und die Verfügung über ein großes Rollenrepertoire.
Eine Hochschullehrerin kann sich z.B. von einem Sportstudenten im Fitness trainieren lassen (funktionale Rollen) und dann seinen Anweisungen strikt folgen, das ändert aber nichts an den “umgekehrten” Rollen z.B. in einer Prüfung (institutionelle Rollen).

Bedenkt man das funktionale Rollenverständnis von Mann und Frau kann man etwas ins Grübeln kommen, wenn man berücksichtigt man, dass es daneben auch ein geschlechts-spezifisches Rollenverhalten gibt. Gemeint sind die oft beschriebenen und heiß diskutierten unterschiedliche Verhaltensweisen von Jungen und Mädchen oder Männer und Frauen, besonders im Umgang und in der Kommunikation miteinander (Thema Frauen- und Männersprache). Die Diskussion über die Phänomene der Unterschiede ist nicht streitig, wohl aber ihre Ursachen der Unterschiedlichkeiten (Sozialisation oder Anlage, gesellschaftlich, situationsfunktional oder wesensbedingt, vgl. auch das Konzept des “doing gender”).

Mit den Begriffen “Sozialisation” und “gesellschaftlich bedingt” ist allerdings die wesentliche Veranlassung für die Ausprägung von Rollenverhalten und seinem Erwerb angesprochen: Rollen sind das Ergebnis gesellschaftlicher Differenzierungen und werden weitestgehend sozial vermittelt.  Verfügen ICH über ein großes Rollenrepertoire ist das ein wichtiger Ausdruck von Sozialkompetenz. Die notwendige Balance zwischen Rollenübernahme und der Bewahrung des eigenen Selbst bildet sich ebenfalls als Erfahrungen im Umgang miteinander ganz wesentlich heraus.

Arten der Kommunikation – Das Kommunikationsmodell

09.07.2009

“Es geht immer nach dem Kommunikationsmodell
und niemals (nur) nach dem Kommunikationsmodell”

Wieso kann man so etwas sagen, das widerspricht sich doch!
Und dennoch ist die Aussage in ihrer Pointe richtig, dazu die folgende Erörterung:

“Es geht immer nach dem Kommunikationsmodell ….”
Kommunikationsmodelle versuchen, die komplexe Wirklichkeit der Kommunikation dadurch zu modellieren, dass sie die wesentlichen Faktoren, (“Größen”) in Kommunikationsprozessen zu erfassen suchen. Sie sind damit natürlich nur vereinfachende “Modelle” der Wirklichkeit, nicht diese Wirklichkeit selbst.
Das älteste und zugleich einfachste Kommunikationsmodell ist das informationstheoretische, das aus der Nachrichtentechnik kommt und die Grundgrößen für die Übermittlung von Informationen angibt.

kommunikationsmodell-jpg

  • Um kommunizieren zu können, muss mindestens ein Sender (der eine Nachricht übermitteln will) und mindestens ein Empfänger (der zum Empfang bereit ist) vorhanden sein.
  • Um Informationen austauschen zu können, muss sich der Sender eines Kanals, manchmal auch Medium genannt, bedienen, z.B. der Schallwellen, der Lichtwellen, der Rundfunkwellen oder eines elektrischen Kabels.
  • In diesen Kanal (vgl. die Kanäle beim Rundfunk, Fernsehen) werden Signale eingespeist. Dazu ist es notwendig, die Nachricht in die für den jeweiligen Kanal geeigneten Signale zu verschlüsseln, zu encodieren.
  • Dazu bedient man sich eines (Verschlüsselungs-)Codes, der in etwa ein Verzeichnis von Signalen und Bedeutungen darstellt. (Denken Sie an Morsecodes, Geheimcodes, Flaggenalphabete usw.)
  • Der Empfänger muss natürlich auch über den Code verfügen, denn er muss die Signale ja wieder entschlüsseln, decodieren. Dadurch hat er natürlich nur eine rekonstruierte Nachricht, die nur im optimalen Falle mit der ursprünglichen identisch ist. ( vgl. das Spiel “Stille Post” ).
  • All dieses ist von einer allgemeinen Störquelle begleitet, die in der Informationstheorie “Rauschen” heißt. Denken Sie z.B. an das Rauschen in Rundfunk-oder Fernsehempfängern.

Das Kommunikationsmodell – Störquellen bei den Kommunikationspartnern

Problematischer wird es bei den in den jeweiligen Kommunikationspartnern liegenden möglichen Störquellen, beispielsweise:

  • der Unfähigkeit, zuzuhören und auf andere Menschen einzugehen;
  • der Unfähigkeit, seine “Rolle” zu finden;
  • der mangelnden Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen;
  • dem Desinteresse am anderen oder dem Inhalt der Kommunikation (“die Ohren auf Durchzug stellen”);
  • dem Wissensdefizit;
  • der Angst sich bloßzustellen;
  • der Wahrnehmung des anderen als Konkurrenten;
  • dem Misstrauen dem anderen gegenüber aufgrund negativer Erfahrungen;
  • der mangelnden Fähigkeit, seine Gedanken, Gefühle, Wünsche auszudrücken;
  • dem negativen Selbstbild;
  • jemand redet von etwas, was es gar nicht gibt;
  • jemand will gar nicht verstanden werden oder meint etwas ganz Anderes;
  • jemand ist einfach nur ” schlecht drauf “.

Solche Phänomene sind Störfaktoren der Kommunikation, die von Kommunikationsmodellen nicht erfasst werden können. Sie gehen von der Bereitschaft, Fähigkeit und dem Vermögen zur Kommunikation (bei)der Beteiligten aus.

Das Kommunikationsmodell – der zweite Teil

Und hier wird der zweite Teil der Aussage wahr :

“….. und niemals (nur) nach dem Kommunikationsmodell.

Wenn man in Kommunikationsmodellen dennoch versucht, mit solchen internen, meist psychosozialen Störquellen umzugehen, dann geschieht das indirekt, z.B. indem man versucht, den Code durch innere und soziale Faktoren beeinflusst zu denken.

Man nimmt in diesem Modell an, dass der Code durch die inneren Befindlichkeiten der Kommunikationspartner, durch Gesprächsrollen (z.B. in der Vorlesung oder in der Diskussion), durch die Sache selbst (Fachsprache) etc. verändert wird.

Das Problem hat der Verhaltensforscher Konrad Lorenz gut zusammengefasst:

“Gesagt heißt nicht immer gesagt,
gesagt heißt nicht immer gehört,
gehört heißt nicht immer verstanden,
verstanden heißt nicht immer einverstanden,
einverstanden heißt nicht immer angewendet,
angewendet heißt nicht immer beibehalten.”

Machen Sie sich einmal Gedanken darüber, was Lorenz damit im Einzelnen gemeint haben könnte, und versuchen Sie, dieses auf konkrete Gesprächssituationen zu beziehen.

Arten der Kommunikation – Die Diskussion

07.07.2009

Eine Diskussion (Erörterung, Zwiegespräch, von lat. discutio, -cussi (quatio) = 1. zerschlagen, zertrümmern, 2. abschütteln, 3. (gerichtlich) prüfen, untersuchen, verhören) ist ein Gespräch zwischen zwei oder mehreren Diskutanten, in dem meist über ein oder mehrere bestimmte Themen gesprochen (diskutiert) wird, wobei jede Seite ihre Argumente vorträgt. Als solche ist sie Teil zwischenmenschlicher Kommunikation.

Themen und Art der Diskussion

Für eine Diskussion gibt es verschiedene Anlässe, ebenso unterschiedlich ist ihre Gestaltung. Während im privaten Bereich auch über persönliche Angelegenheiten gesprochen wird, so werden im öffentlichen Bereich meist politische Themen diskutiert. Hierbei erfolgt der Austausch der Meinungen nicht nur verbal (z. B. auf Diskussionsveranstaltungen oder im Fernsehen), sondern auch schriftlich (z. B. in der Zeitung mithilfe eines Leserbriefs oder in einem Forum für Diskussion im Internet).

Stile in der Diskussion

Zu einem guten Stil in der Diskussion gehört neben wechselseitigem Respekt unter anderem, gegenteilige Argumente und Meinungen zuzulassen und genau zu prüfen, anstatt diese vorschnell zu verwerfen. Ein guter Diskutant hört zu, lässt ausreden und ist konzentriert genug, um auf das vom Gegenüber Gesagte einzugehen und seine eigenen Argumente sachlich darzustellen. Im Idealfall ist er gelassen und höflich.

Oftmals ist z. B. in der Politik Gegenteiliges zu beobachten.

Visualisierung als Hilfsmittel bei Diskussionen

Ein wirksames Hilfsmittel der Diskussion ist es, die Inhalte zu visualisieren. Für einen sachlichen und geordneten Diskussionsverlauf ist es hilfreich, einzelne Diskussionspunkte (Stichworte) für alle sichtbar aufzuschreiben oder in Symbolen und durch bildsprachliche Zeichen zu veranschaulichen (z.B. auf Flipchart, Pinnwand, Overheadfolie).

Die Visualisierung wirkt als Gedächtnisstütze, versachlicht die Diskussion, erhöht die Aufmerksamkeit, fördert Gelassenheit auch bei kontroversen Diskussionen, unterstützt eine optische Entwicklung eines Diskussionsfadens, entlastet die Diskutanten psychisch und vermindert Missverständnisse. Ein unbewusstes oder ein in manipulativer Absicht gesteuertes Springen im Diskussionsfaden wird mittels Visualisierung sichtbar und kann wertschätzend und die Diskussion fördernd aufgefangen werden.

Ausgang einer Diskussion

Am Ende einer Diskussion steht entweder die Lösung eines Problems, ein für alle Beteiligten annehmbarer Kompromiss oder die beidseitige Erkenntnis, dass verschiedene Meinungen herrschen (Dissens). Auch im letzteren Fall ist die Diskussion eine wichtige Möglichkeit, den Standpunkt anderer kennen zulernen und Dinge aus bisher unbekannter Perspektive zu erblicken.

Quelle Wikipedia

Menschenkenntnis – Die Schwierigkeit, andere richtig einzuschätzen

01.07.2009

Teil 3

Um erfolgreich miteinander umgehen zu können, müssen wir vor allem in der Lage sein, die Menschen in unserem Umfeld richtig wahr zu nehmen.

Folgende Schwierigkeiten liegen in der Wahrnehmung von Personen.

  • wir versuchen verborgene Eigenschaften, Persönlichkeitsmerkmale zu erschließen
  • unsere Wahrnehmungen sind immer subjektiv
  • unsere Menschenkenntnis wird beeinflusst von Gefühlen, Einstellungen und Motivationen
  • wir neigen dazu, Menschen, die uns ähnlich sind, eher positiv wahr zu nehmen

Wir gehen im allgemeinen ganz selbstverständlich davon aus, dass unsere Einschätzungen anderer Menschen im großen und ganzen zutrefffend und genau sind. Tun wir recht daran? Ist unsere Wahrnehmung anderer wirklich angemessen? Gibt es Menschen, die andere besonders treffsicher einschätzen können? Kann man diese Urteilsfähigkeit schulen?

Menschenkenntnis – die Überprüfbarkeit unserer Wahrnehmung

Zur Überprüfung der Genauigkeit von Wahrnehmungsurteilen, also zur Überprüfung der Menschenkenntnis,  braucht man drei Dinge:

  1. eine Präsentationsform des zu beurteilenden Menschen (Beurteilungsziel) = direkte Begegnung; persönliche Dokumente; etc.
  2. eine Menge von Wahrnehmungsreaktionen seitens des Beurteilenden = Prognosen; Einschätzung mittels Eigenschaftswortliste; etc.
  3. ein Kriterium, anhand dessen wir die Richtigkeit der abgegebenen Urteile überprüfen können = Berurteilung von anderen Personen; objektive psychologische Tests; etc.

Menschenkenntnis – Wahrnehmung von Gefühlen

Menschen bezügl. überdauernder Persönlichkeitsbezüge zu beurteilen, ist ein schwierige Unterfangen. Oft genügt es aber bereits, wenn wir die momentanen, kurzzeitigen Gefühlsreaktionen unseres Partners richtig wahrnehmen, um die Menschenkenntnis zu optimieren.

Hierbei ist wohl die wichtigste Informationsquelle sein Gesichtsausdruck. Die Schwierigkeit in der Interpretation liegt darin, dass Menschen immer mehrere oder sogar gemischte Emotionen erfahren und kommunizieren können. Die Urteilsgenauigkeit ist also eher gering. Allerdings sind wir in unseren Alltagsinteraktionen so gut wie nie auf den Gesichtsausdruck allein angewiesen. Die ganze Situation, frühere Begegnungen, der bisherige Verlauf der Kommunikation – all das versorgt uns mit zusätzlichen Hinweisen, die uns helfen auch einen gemischten und flüchtigen Gesichtsausdruck zu interpretieren.

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