Teil 2
Schon immer wurde mit Hilfe von Typologien oder Typenlehre versucht, die Individuen nach bestimmten Merkmalen zu Klassen zusammenzufassen und sie damit von anderen Individuen, die diese Merkmale nicht innehaben, deutlich abzugrenzen. Die Typenlehre unterscheidet im Wesentlichen drei Grundformen:
- Körperbautypen – äußere Erscheinungsformen bilden das grundlegende Unterscheidungskriterium
- Wahrnehmungs- und Erlebnis-Typologien – die Art der inneren Erlebnisform gilt als Unterscheidungskriterium
- Weltanschauungstypologie – Unterscheidungskriterium bildet hierbei die Einstellung, mit der ein Mensch die ihn umgebende Welt erlebt.
Sozialpsychologisch gesehen werden Typenle wird die Typenlehre dadurch bedeutsam, dass sie über die bloße Abgrenzung der Individuen durch bestimmte Merkmal hinaus versuchen, die Auswirkungen dieser Merkmale auf die Verhaltensweisen der Individuen zu analysieren, also das Verhalten der einzelnen Merkmalsträger in Grenzen vorhersehbar zu machen.
Typenlehre – Konstitutionstypenlehre von Kretschmer
Kretschmer unterscheidet drei Haupttypen, gemäß der Typenlehre. Nach Kretschmer´s Typenlehre lässt sich der äußeren Konstitution des Menschen derart vornehmen, dass der Körperbau des Menschen in Beziehung zu bestimmten charakteriologischen Eigenschaften gesetzt wird.
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Körperbautyp |
Körperliche Eigenschaft |
Charaktereigenschaft |
| Leptosom | Schmal, hochaufgeschossen, langer und flacher Brustkorb, magere Arme, zarte und feingliedrige Hände, schlanke Beine, scharf geschnittenes Profil | Scheu und empfindsam, fade und langweilig, kalt und nüchtern, kleinlich und pedantisch, aber auch künstlich heiter, zynisch und spöttisch, brutal |
| Pykniker | Gedrungener Körperbau, weiches und breites Gesicht, kurzer und dicker Hals, weiche und rundliche Hände, geringe Schulterbreite, großer Brustumfang | Leicht erregbar, schnell wechselnde Stimmungen, ungehemmt, gesellig, redselig, witzig, betriebsam, freundlich sentimental, melancholisch |
| Athletiker | Kräftige Muskeln, breite Schultern, fester und starker Brustkorb, grober Knochenbau, große Hände und Füße, Nase und Unterkiefer kräftig entwickelt | Ruhige Bedächtigkeit, Unerschütterlichkeit in erregenden Situationen, kurze Affektexplosionen, seelisch stabil, nicht sehr wendig im Denken und Fühleny |
Typenlehre – Kritik
Da die bestehende Typenlehre in der Regel nur von 2 – 3 Grundtypen ausgehen, die durch einige Merkmale ausgezeichnet sind, welche sich in typenspezifischen Verhaltensweisen auswirken, ergeben sich einige Ansatzpunkte zur Kritik:
- Aus einer Beschränkung auf eine derart geringe Zahl unterschiedlicher Typen folgt zwangsläufig, dass diese Typen so weit gehalten sein müssen, dass die Aussagekraft leidet.
- Zur exakten Typenbestimmung werden zu wenig unterschiedliche Merkmale herangezogen, es fehlt also an einer genügenden Mermalsdifferenzierung.
- Da jede Typologie von wenigen markanten Merkmalen her aufgebaut ist, können sich verschiedene Typologien durchaus überschneiden.
Diese Kritikpunkte verdeutlichen, dass eine eindeutige Festlegung eines Menschen auf einen bestimmten, durch wenige Merkmale erfassbaren Grundtyp nicht möglich ist.






